Dieser Post wird wieder sehr persönlich. Ich hatte eine Reise nach Sylt geplant. Zugticket, Unterkunft, Unternehmungen, Segeltörn. Dann kam das Leben dazwischen. Trennung, Liebeskummer. Sylt ist „seine“ Insel. Also habe ich alles storniert, jede Menge draufgezahlt und fuhr wieder an die Ostsee. Und irgendwie hatte ich ja nach meiner Woche im März eh das Gefühl, dort noch nicht „fertig“ zu sein.
Die Hinfahrt brach ich wieder in zwei Teile. Statt in Hamburg oder Lübeck unterbrach ich die lange Zugfahrt diesmal in Hannover. Ein ehemaliger Kollege aus dem Musicalensemble studiert dort, und wir haben versucht, uns an dem einzigen Tag zu treffen, den ich dort verbringen würde. Leider verpassten wir uns, da er ausgerechnet am selben Tag auf Dienstreise musste. Trotzdem hatte ich einen schönen Tag in Hannover. Mein Hotelzimmer war sehr hübsch und winzig klein und hatte ein noch winzigeres Badezimmer. Ich passte kaum auf die Toilette und war jedes Mal aufs Neue froh um meine Gelenkigkeit. Es war eine Hitze-Woche, und das Zimmer war glücklicherweise eins zum relativ kühlen Hinterhof raus und besaß einen Ventilator, der es einigermaßen erträglich machte.


Im Zug hatte ich schon am aktuellen Korrektorat gearbeitet: die Biografie eines Rallyefahrers in der ehemaligen DDR. Deshalb konnte ich mir den Nachmittag ganz entspannt gestalten und zog zu Fuß mit meiner Kamera los Richtung Stadtwald. Zwar hatte ich vorher schon mehrere Sehenswürdigkeiten ausgewählt, doch dann war es dafür einfach zu heiß und ich zu hungrig. Statt dessen wanderte ich ein bisschen durch den Wald und kehrte ziemlich bald „zurück zum glück“. Dort genehmigte ich mir einen Burger und wanderte anschließend kreuz und quer durch die Straßen des an mein Hotel angrenzenden Viertels zurück. In den kleinen Seitenstraßen stand in den Vorgärten gerade alles in voller Blüte. Ganz besonders hübsch sah das vor den alten Backsteinhäusern aus.
Bald braute sich am Himmel was zusammen und ich ging ins Hotel zurück, um dort einen ruhigen Abend zu verbringen.

Am nächsten Morgen fuhr ich das letzte Stück weiter nach Travemünde, bezog dort meine Wohnung im Souterrain, wo es zwar einerseits angenehm kühl war, andererseits die Handtücher niemals ganz trockneten.
Meine Woche bestand aus Arbeit für den Laden und am Manuskript am Vormittag und Baden am Nachmittag. Für die Einkäufe benutzte ich eine aus dem Laden mitgebrachte faltbare Tasche, die ich dann auch gleich werbewirksam für den Katalog fotografieren konnte. (Ich fürchte, mein Chef war mit den Fotos am Ende nie ganz zufrieden.)
Zwei Highlights hatte die Woche: Den Segeltörn am Freitag und die Wohnungsbesichtigung am Sonntag. Einen Segeltörn hatte ich ja auch schon für Sylt gebucht. Nachdem sich meine Pläne so jäh geändert hatten, bekam ich netterweise einen Gutschein über den Betrag, sodass ich den Törn irgendwann nachholen kann. Schon damals in der Bretagne hatte ich einen kurzen Segeltörn an der Atlantikküste entlang gemacht und fand ihn wunderbar. Doch dann später hatte ich auf einem See in Bayern ein traumatisches Erlebnis mit einem Skipper, der an einem sehr böigen Tag das Schiff nicht mehr im Griff hatte. Ich wollte mich davon aber nicht vom Segeln abbringen lassen. Ich wollte meiner Angst ins Auge sehen.


Beinahe machte uns dann das Wetter noch einen Strich durch die Rechnung. An jedem Vormittag seit meiner Ankunft in Travemünde hatte es geregnet. So auch am Freitag. Aber der Skipper kennt sich aus und verschob den Törn einfach um eine halbe Stunde. Und siehe da – der Regen hörte auf und wir hatten einen wunderbar sonnigen Tag auf See. Mit wenig Wind, was mir allerdings nicht ganz unrecht war, nachdem meine erste Herausforderung schon daraus bestand, überhaupt auf die Yacht zu gelangen. Während alle anderen locker flockig vom Ponton rüberhüpften, musste für mich erst der Fender entfernt und das Schiff näher an den Ponton gezogen werden. Es war mir wahnsinnig unangenehm, aber alle waren sehr nett. Es dauerte dann noch eine Weile, bis ich mich traute, mich auf Deck frei zu bewegen. Jeder, der wollte, durfte ans Ruder oder andere Handgriffe erledigen; ich jedoch blieb bis zum Anlegen nutzlos, was das anging. Trotzdem wurde gequatscht, fotografiert und Rezepte ausgetauscht. Und ich knüpfte wieder Kontakte. Es war wunderbar, und ich glaube, ich werde es wieder tun.



Am Sonntag ging ich dann das Projekt „Wohnung finden“ an und besichtigte eine Wohnung am südlichen Ende von Travemünde, zu der zwar ein Pool und eine Sauna gehörten, die sich als Raucherwohnung herausstellte und viel zu weit vom nächsten Supermarkt und anderen Läden entfernt lag. Seit meiner Rückkehr suche ich ständig weiter nach passenden Wohnunge, auch wenn ich gerade gar nicht weiß, wann ich das nächste Mal nach Travemünde fahren kann.




Meine Abende – nach der Rückkehr vom Strand und dem Abendessen – verbrachte ich auf der Seebrücke. Ich genoss die Aussicht und das Leben am und im Wasser, las, strickte, fotografierte. Jeden Abend leuchtete das Maritim-Hochhaus im goldenen Licht der untergehenden Sonne und spiegelte sich im Wasser. Ich fand es spannender als jedes Fernsehprogramm!


Wie immer mochte ich mich am Ende kaum trennen und bin sicher. Hier will ich leben.
Eine Sache habe ich ganz vergessen: Ich habe mir ein Fahrrad gemietet und bin tatsächlich ein paar kurze Strecken gefahren! Auch das Radfahren ist so eine Angst-Sache. Es wird nie meine Lieblings-Fortbewegungsart, aber immerhin kann ich mir vorstellen, ein Rad zu besitzen, wenn ich dann mal dort wohne, um Wege abzukürzen, zum Einkaufen zu fahren und die Landschaft zu genießen.

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