Und wieder war mir auf Lanzarote nur ein Tag vergönnt. Schon beim letzten Besuch auf den Kanaren war ich nur für einen Tagesausflug auf Lanzarote – mit der schnellen Fähre hin (Himmel, war mir da übel!), ein Spaziergang, mit der „langsamen“ Fähre zurück, weil ich da draußen stehen konnte. Ich fand die Insel – oder was ich von ihr gesehen habe – aber damals schon schön und hatte diesmal einen längeren Besuch geplant. Dann kam aber der Muskelfaserriss, und ich war nicht sicher, ob ich Autofahren können würde. Ohne Auto wäre ich aber nicht mal zur Unterkunft gekommen – ich hatte weit im Norden Lanzarotes gebucht. Und so war ich eben schweren Herzens ein paar Tage länger auf Fuerteventura geblieben, weil ich mich dann auch nicht recht für eine andere Unterkunft entscheiden konnte – Overthinking sei Dank!

Nun. Es ist, was es ist. Vor der Überfahrt mit der Fähre war ich sehr nervös. Die riesen Fähre, habe ich die richtigen Unterlagen, fahre ich in die richtige Richtung (da steht ja kein Schild davor: Her entlang nach Lanzarote!), wie würde es mir gehen …? Ja, solche Gedanken hat man, wenn sich die Angst mal wieder meldet. Aber auch hierbei ging am Ende alles gut. Den größten Teil der Fahrt verbrachte ich auf einem der „Balkone“ (ich vermute, es gibt eine adäquate Bezeichnung dafür) auf der Steuerbord-Seite und dokumentierte mein Abenteuer fotografisch. Je näher die Insel kam, umso mehr Details konnte ich erkennen: weiße Häuser, die hohen Berge, die einen deutlichen grünen Überzug hatten, und die Struktur der Vulkane.


Über Bumble hatte ich in den letzten Tagen Rafa kennen gelernt. Wir tauschten uns über das Reisen aus und über unsere Erfahrungen mit Hotels unterwegs. Er wohnt und arbeitet auf Lanzarote und zu weit von Playa Blanca entfernt, um eben mal schnell nach Fuerteventura überzusetzen. Deshalb hatten wir verabredet, uns an der Fähre zu treffen, wenn ich auf Lanzarote ankomme. Er traf mich am Hafen, ich testete meine Spanisch-Kenntnisse an ihm aus, er seine Deutsch-Kenntnisse an mir. Wir fuhren gemeinsam über die Insel (ja, in seinem Auto; ja, ich weiß …), während er mir vom Leben dort erzählte und von seinen Lieblings-Plätzen. Außerdem nutzte ich sein Angebot, auch mal auf Fotos vor Landschaft drauf zu sein, ohne Selfies machen zu müssen. Auch er war von all dem ungewohnten Grün fasziniert – und sogar vom vielen Regen; er meinte, zeitweise käme er sich vor wie in Irland. Am Nachmittag setzte er mich vor meiner Unterkunft ab und brach zur Arbeit auf. Wir sind weiterhin in Kontakt und sehen uns hoffentlich wieder, wenn ich endlich mal länger auf Lanzarote bin.

Der Tag war noch jung, und so zog ich nur Bikini und Handtuch nebst Dry Bag aus meinem Rucksack und lief zum Strand. Der Strand von Playa Honda ist nicht breit, nicht lang, aber zum kurz ein letztes Mal schwimmen genau richtig und zum Entdecken perfekt! Es gab jede Menge kleine und größere Vögel zu sehen, Muscheln im Sand, Algen und spannende Sand- und Felsformationen zum Fotografieren. Bis kurz vor Sonnenuntergang der Akku den Geist aufgab (natürlich hatte ich mal wieder keinen zweiten dabei – seufz) – hatte ich eine Menge abstrakte Fotos von Wasserrinnen im Sand, Vögeln, die sich von flachen Felsen aus im Wasser spiegelten, glitzernde Meeresoberfläche, Reflexionen, vertäute Boote und und und.




Außerem beobachtete ich ein Phänomen, das ich bis dahin nicht kannte. Während ich dort stand und ziemlich weit auf trockenem Boden laufen konnte, kam die Flut so schnell herein, dass mir innerhalb von Sekunden das Wasser bis zu den Knien reichte und ich plötzlich nicht mehr sehen konnte, wo ich gefahrlos hintreten konnte. Außerdem hatte ich ja auch meine Kamera in der Hand und war nicht sicher, ob ich mich auf den Beinen halten würde. Beim ersten Mal war das fast beunruhigend. Später wusste ich dann Bescheid und beobachtete die Bewegungen. Ab dem Zeitpunkt fand ich es dann hauptsächlich faszinierend.




Der Flughafen von Lanzarote liegt am Ende der Playa Honda, was bedeutet, man muss damit rechnen, dass die startenden Flugzeuge immer wieder einen Höllen-Lärm verursachten. Die Abstände waren allerdings einigermaßen groß.
Ich hatte gehofft, noch einen letzten schönen Sonnenuntergang vor die Linse zu kriegen, aber wie gesagt, war der Kamera-Akku leer. Außerdem verschwand die Sonne nicht ins Meer, sondern hinterm Flughafen. Deshalb wählte ich eins der kleinen Restaurants am Strand aus und gönnte mir ein Abendessen mit Wein. Dort machte ich Bekanntschaft mit Nadine aus den Niederlanden, die ich ansprach, nachdem ich beobachtet hatte, dass sie einen Tisch suchte und das Gefühl hatte, dass auch sie nicht gern allein essen wollte. Wir verstanden uns auf Anhieb, teilten unser Abendessen, tranken ein Glas Wein zusammen, und ich erfuhr, dass auch sie mit Mental Health Problemen zu kämpfen hatte. Nadine verbrachte zwischen Chemo und einer bevorstehenden OP ein paar möglichst entspannende Wochen auf der Insel. Wir verabschiedeten uns erst, nachdem es lange schon dunkel geworden war und sind bis heute in Verbindung.

Meine Unterkunft hielt – obwohl das Haus und mein Zimmer an sich sehr hübsch waren – große Unsicherheiten bereit. Die Beschreibung, wie ich mit Codes und Schlüsseln ins Haus und aus dem Haus wieder hinaus komme, waren … kryptisch. Ohne die Hilfe der Reinigungskraft, die noch vor Ort war, als ich eintraf, wäre ich verzweifelt. Der kleine Innenhof war gemütlich eingerichtet und bepflanzt. Der Pool war zum Baden zu kalt, ist im Sommer aber bestimmt eine willkommene Erfrischung. Dort mit einem kühlen Getränk drin hocken oder die Füße baumeln lassen – das konnte ich mir gut vorstellen.
Erst als ich vom Abendessen zurückkam, las ich das ausliegende Pamphlet mit Informationen über die Unterkunft. So erfuhr ich, dass ich das Frühstück für den nächsten Morgen bis zu einer bestimmten Uhrzeit am Tag der Ankunft hätte bestellen müssen. Dazu war es nun zu spät. Es gab aber eine Kaffeebar – also heißes Wasser und Instantkaffee-Sticks. Die Getränke mussten sofort und passend in bar bezahlt werden. Wechselgeld war keins vorhanden.
Ich wusste, dass auf manchen Inseln bzw. in manchen eher abgelegenen Gegenden man Toilettenpapier nicht ins Klo werfen darf. Aus den – ebenfalls kryptischen – Informationen hierüber ging nicht eindeutig hervor, ob es hier erlaubt war, oder nur ein bisschen, oder nur fürs kleine Geschäft, oder … Ich fragte per WhatsApp nach – und erhielt keine Antwort. Überhaupt bekam ich Antworten auf meine Fragen erst wieder, als ich am nächsten Morgen schon auf dem Weg zum Flughafen war – ohne Frühstück.
Der Weg zum Flughafen war von der Unterkunft aus nur ca. 1km lang. Trotzdem nahm ich den Bus, denn vom Fußweg wurde auf Google Maps eher abgeraten. Am Flughafen – ich hatte ja mehr als ausreichend Zeit – genehmigte ich mir ein leckeres Frühstück, deckte mich mit Wasser für den Flug ein und verbrachte die restliche Zeit bis zum Abflug mit lesen. Der Flug verlief ziemlich ruhig und ich landete am frühen Abend im winterlich kalten München.
Auch wenn die Reise nicht ganz das vorsommerliche Erlebnis war, dass ich mir erhofft und erwartet hatte, hatte sie mich doch über einen Teil des Winters hinweggetragen.

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