Zurück im Norden – schwerer Rucksack, schweres Herz

Die Busfahrt zurück nach Corralejo war hauptsächlich lang und nicht mehr ganz so aufregend wie die Hinfahrt. Aber ich kehrte zurück in ein Hotel, in dem ich vor etlichen Jahren schon mal übernachtet und das mir wirklich gut gefallen hatte. Es ist jung, farbenfroh, hat(te früher) einen Surfer-Vibe. Die Lage und der Blick aufs Meer sind hier nicht ganz so spektakulär wie in meinen anderen Unterkünften bisher, aber dafür ist der Pool ein absoluter Traum: groß und tief genug zum schwimmen, mit jeder Menge Platz außenrum zum chillen, lesen, spielen …

Allein wegen dieses Pools würde ich dieses Hotel wieder buchen

Ich hatte diesmal das Zimmer ohne Frühstück gebucht und ging statt dessen zum Frühstück ins kleine spanische Café um die Ecke und wieder zur deutschen Bäckerei. Mir reicht eine krosse Tostada mit Butter und Marmelade, dazu ein café con leche vollkommen, um in den Tag zu starten, zumal es im Hotelzimmer einen Wasserkocher gab, sodass ich mir früh morgens immerhin schon selbst Tee oder Kaffee machen konnte.

Typisches Frühstück

Apropos Essen: Für die letzten paar Tage hatte ich eben ein Hotelzimmer und somit keine Küche mehr; das hätte sich nicht gelohnt. So kam ich in den „Genuss“, jeden Abend ins Restaurant zu gehen. Auf die Dauer fand ich das richtig, richtig anstrengend. Ich kam abends von Erkundungen, vom Strand, von Ausflügen zurück und musste mich immer nochmal ordentlich anziehen, mich für ein Restaurant und ein Essen entscheiden, kommunizieren, mich „benehmen“ (im Sinne von „aufrecht halten“, statt vor einer gestreamten Serie auf der Couch oder im Bett – ihr versteht, was ich meine). Und dann die Portionen … Ich liebe Tapas. Aber wie viele pimientos del padrón und Oliven kann eine Person allein essen?

zu viele pimientos 😉
zu viele Oliven 😉

Viele, die zum ersten Mal allein reisen, haben vor dem abendlichen Restaurantbesuch auch den meisten Respekt. Wie wird man behandelt? Wo wird man plaziert? Was denken die anderen Leute? Was tut man die ganze Zeit, die man da sitzt? All dies ist inzwischen kein Problem mehr für mich. Anfangs habe ich mir oft mit Buch oder Handy eine Beschäftigung gegeben. Inzwischen bin ich selbstbewusster, was das angeht. „Nur“ noch das oben gesagte macht mir hin und wieder zu schaffen.

Das Wetter hatte sich nun auch hier etwas beruhigt. Die Wellen waren nicht mehr ganz so hoch, der Wind hatte etwas nachgelassen, noch hingen jedoch dicke dunkle Wolken am Himmel. Die Spaziergänge durch die Stadt und an den Stränden entlang waren deutlich entspannter als die in der ersten Woche. Ich musste nicht mehr ständig die Regenjacke bereit halten. Und es fiel sehr leicht, abends den Bikini anzuziehen und ein paar Minuten im Pool zu verbringen. Die Stimmung war dann wunderbar. Der Pool war leer, und die Anlage war farbig beleuchtet.

Apropos farbig: Noch nie habe ich auf einer Reise so viele Regenbögen zu sehen bekommen wie auf dieser. Am Ende vermutlich jeden Tag mindestens einen. Oft sogar vollständige Bögen und vereinzelt doppelte.

Meinen ersten richtig langen Spaziergang ließ meine Wade drei Tage vor der Abreise zu. Ich wusste, dass die Strandpromenade weit bis in den Süden der Stadt bis zu den großen Dünen lief. In der Hoffnung, es vielleicht bis dorthin zu schaffen, lief ich los. Unzählige kleine Strände, Fotos von Wellen und der stets präsenten Insel Lobos, Regenbögen und Felsplateaus später musste ich mich mit Pommes Frites und Eistee stärken und kehrte dazu in eine Beach Bar ein, die ich bei meiner ersten Fuerteventura-Reise entdeckt hatte. Diesmal war mehr los, entsprechend wurden meine Pommes zunächst vergessen, und die Musik war unangenehm laut. Eistee und Pommes waren aber lecker und die Aussicht eh wunderbar.

Ein wenig konnte ich danach noch weiterlaufen, aber nicht mehr sehr weit und leider nicht bis zur Düne; es stand ja auch der Rückweg noch an. An dem Abend konnte die tägliche Dosis Magnesium nicht vergessen werden!

Sicht auf die Promenade
der nördliche Teil der Stadt vom Strand aus
nach der Flut bleiben Wasserbecken und Flora und Fauna werden sichtbar

Kurz vor Ende der Reise hatte ich nochmal Lust, einen geführten kleinen Ausflug zu machen. Im Winter ist es manchmal schwer, Touren zu finden. Die Tour war dann ein Spaziergang, der kreuz und quer durch Corralejo führte und bei dem Fuerteventura-spezifische Speisen und Getränke vorgestellt wurden. Zunächst liefen wir hauptsächlich und hörten Laura zu. Als die erste Station dann ein Aloe Vera-Laden war, dachte ich schmunzelnd, dass die Tour offenbar eine Butterfahrt würde. Danach gingen wir aber noch in einen Laden, der allerlei karamellisierte Früchte und Nüsse verkaufte (bei dem Prozess konnte man sogar zuschauen), und anschließend verschiedene alteingesessene Restaurants, wo es u.a. patatas arrugadas mit zwei mojos gab, Käse, eine Nachspeise aus Gofio und abschließend ein Stamperl Rum. Die Gruppe war nicht allzu groß, aber natürlich wieder voller Paare, ein echtes Gespräch kam deshalb nicht zustande, aber das war okay.

Mein letzter Tag im Norden wurde nochmal ein sehr entspannter, mit ein wenig Zeit am Pool, einem Spaziergang und einem Eis. Und endlich! einem Bad im Meer. „Nur mal schnell reintauchen“ endet bei mir immer damit, dass ich das Wasser am liebsten nie wieder verlassen würde. Es war frisch, aber auf keinen Fall kälter als Schliersee oder gar Spitzingsee im Sommer. Auch hierfür fehlen mir leider die richtigen Worte. Wie beschreibt man das Gefühl, in dieses riesige Universum, das der Atlantik ist, einzutauchen?

Und dann war es auch schon soweit. Ich stieg am Morgen auf die Fähre nach Lanzarote und genoss nach anfänglicher Angst, versehentlich von Bord zu fallen (das Ding war echt hoch!), die Überfahrt draußen mit Aussichten auf Lanzarote und Rückblicken nach Fuerteventura.

Blick zurück – natürlich wieder mit Lobos
Blick nach vorn

Foto-Dump gefällig? Bitte schön 🙂

Ich liebe das Farbenspiel am Meer
fantastisch, welche Ausmaße diese Pflanzen bekommen können
immer wieder maurische Elemente
Schiffe und Boote – dieses Jahr will ich segeln lernen
Spiel mit der Kamera
Mein Hotel-Aufgang

Hinterlasse einen Kommentar