Dieser Winter war auf den Kanaren kalt und regnerisch. Abgesehen von den mir dadurch – wie sagt man so schön – „entgangenen Urlaubsfreuden“ machte mir das Wetter aus einem anderen Grund das Leben schwer. Ich hatte ja leicht gepackt und war darauf vorbereitet, meine Kleidung immer mal zu waschen. Ein Stück Kernseife und eine Reise-Wäscheleine hatte ich dabei. Allerdings blieb bei der feuchten Kälte alles ewig lang klamm. Draußen konnte ich meist nichts aufhängen, denn von den an der Wand befestigten Wäscheständern wehte mir – ohne Wäscheklammern – die Wäsche ständig herunter. Und es gab keine Möglichkeit, meine Leine zu befestigen. Die beste Möglichkeit bot sich meist im Badezimmer bzw. in der Dusche. Solange die Wäsche dort hing, konnte ich die dann aber nicht benutzen. Im Süden aber trocknete die Wäsche endlich auf dem sonnigen Balkon und es gab sogar Wäscheklammern!

Wo wir gerade bei Kleidung sind:
Mein Chef lacht mich dafür aus, dass ich noch immer einen 40 Liter-Rucksack fülle, wenn ich reise. Was er dabei nicht bedenkt: Eine Plussize-Frau trägt mehr als eine normalgewichtige Frau – auch im Reisegepäck. Ein Beispiel: Er als Mann braucht nur eine eine Badehose. Eine normalgewichtige Frau nimmt einen Bikini mit; oft ist der winzig klein. Das Bikinioberteil einer mehrgewichtigen Frau hat breite Träger, robuste (metallene) Schnallen, oft Polster; das Unterteil hat oft Rüschen, um den Bauch zu kaschieren. Mein aktueller hat z. B. auch welche. Wäre für mich persönlich nicht notwendig, aber er gefiel mir eben gut. Überhaupt sind alle meine Kleidungsstücke ein gutes Stück größer als seine (er ist schlank). Mehr Stoff = mehr Platz + mehr Gewicht. Das soll kein Gejammer sein; ich denke nur, dass die meisten Menschen sich darüber keine Gedanken machen.
Der Süden. Ach, der Süden.
Nach stundenlanger Busfahrt (was hätte ich bloß gemacht, wenn ich aufs Klo gemusst hätte?) kam ich schon gegen 11 Uhr in Esquinzo an. Darauf, dass da so früh jemand auftaucht, war die Mitarbeiterin an der Rezeption nicht vorbereitet. Dabei hatte ich auch gar nicht erwartet, schon einzuchecken zu können. Ich wollte ja eh nur meinen schweren Rucksack erstmal loswerden. Ohne die schwere Last auf dem Rücken tippelte ich den steilen Weg neben dem Hotel zum Strand hinunter. Schon an der ersten Wegbiegung – noch weit oben, neben dem Restaurant – bot sich mir die Aussicht, die ich auch während der nächsten Tage kaum fassen konnte. Der Atlantik von oben. Horizont. Endlich Weite. Kilometerweise Sicht nach Süden.


Leichte Wolken hatten sich auch hier am Himmel versammelt. Trotzdem war es wärmer. Milder. Und so blieb es auch in den nächsten Tagen bzw. wurde wärmer, sonnig, einfach so, wie ich mir mein Reisewetter vorgestellt hatte. Auch sonst bekam ich hier endlich, was ich mir gewünscht hatte. Ruhe, Erholung, Weite, Loslassen, Faulenzen, gleichzeitig neue Energie, neue Impulse, das Hereinlassen von Licht, Luft und Wärme.
Die Hotelanlage war wunderhübsch, mein Apartment gemütlich und heimelig. Ich wanderte die meiste Zeit nur zwischen meinem Balkon (früh morgens, zum frühstücken und arbeiten) und dem Strand (zum Sonnenaufgang und später, nach 11:00 Uhr, wenn die Arbeit erledigt und es richtig warm geworden war) hin und her. Vom Balkon hatte ich neben dem Blick auf den Pool und den schönen Garten mit Palmen und Malvenblüten auch einen kleinen Blick aufs Meer und morgens den sich ankündigenden Sonnenaufgang, sodass ich den gar nicht verpassen konnte.





Anmerkung: Ich stelle fest, dass mir dieser Teil der Reise am schwersten in die Tastatur fließt, und frage mich, was der Grund dafür ist. Vielleicht liegt die Reise schon zu weit zurück? Ebbt das gute Gefühl ab? Tatsache ist auch, ich habe während dieser Tage gar nicht viel „gemacht“, außer am Pool zu liegen und am Strand spazieren zu gehen. Die „richtigen“ Worte hierfür zu finden, fällt mir schwer.
Der Süden hat mich sehr überrascht, hatte ich doch bis dahin nur eine Touristen-Hochburg im Kopf, Hotel-Anlagen gefüllt mit Menschen, die den ganzen Tag am Pool liegen, unterbrochen nur von Gängen zum Buffett. Das mag es zwar auch geben, war aber in meinem kleinen Örtchen gar nicht der Fall, und meine Art Urlaub ist das ja eh nicht. Ich war in diesen Tagen einfach sehr entspannt, habe einen geführten Ausflug zur Villa Winter (lest mal nach!) mitgemacht und war zweimal im Städtchen Morro Jable; einmal um einfach ein bisschen zu bummeln, den Leuchtturm und die Stadt zu sehen und zu fotografieren, und einmal für eine Pediküre. Und das war’s auch schon. Und ich weiß: Falls ich nach Fuerteventura zurückkehre, dann auf jeden Fall in den Süden! Wenn ich vorher gewusst hätte, dass es mir so gut gefallen würde, hätte ich einen wesentlich längeren Aufenthalt gebucht.


Statt vieler Worte und Beschreibungen, hier ein paar Fotos aus dieser Zeit:






Der Rucksack wog sehr schwer, als ich ihn den Hügel zur Bushaltestelle wieder hinauf trug und in den Bus stieg, der mich wieder in den Norden bringen sollte.
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