Entgegen der Informationen in diesem Ding namens Internet, braucht man keine Genehmigung (mehr), um die Insel Lobos zu betreten. Der Angestellte der Wassertaxi-Firma fand es höchst amüsant, dass ich mich im voraus noch ziemlich umständlich um eine solche gekümmert hatte. Mit dem „Ende“ von Covid wurde die Genehmigungspflicht aufgehoben.
Das Wassertaxi nach Lobos hatte ich im voraus online gebucht. Nur durch reinen Zufall habe ich danach erfahren, dass ich mit meiner Onlinebuchung auch noch in deren Büro gehen und mir Papiertickets abholen muss – die Firma, die die Tickets verkauft ist nicht dieselbe Firma, die das Wassertaxi fährt. Da wäre ich schön blöd dagestanden.

Trotz dieser beiden kleinen Widrigkeiten war ich froh, diese Gesellschaft mit diesem Taxi gewählt zu haben. Das Boot ist nämlich groß genug, dass mit einer Gangway eingestiegen werden kann. Was ich da an der Kaimauer von Lobos sonst noch so gesehen habe, da wäre ich eher zurück geschwommen oder hätte meinen Wohnsitz auf die Insel verlegt. Ins Wasser fallen würde ich vielleicht noch gerade überstehen; ich kann ja schwimmen. Aber erstens wären Kamera und Fotos sicher hinüber, zweitens: kriegt man mich da wieder raus? Und drittens sind mir dort zu viele Steine, Felsen und eben die Kaimauer. Horrorszenarien wie dieses spielen sich vor dem Betreten eines Boots oder Schiffs fast immer in meinem Kopf ab, so sehr ich das Meer auch liebe.
Cooler Service des Anbieters: Sie checken den Wetterbericht und bieten frühere oder spätere Fahrten am selben Tag an, wenn sie es für sicherer erachten, zu anderen Zeiten zu fahren. Ich bekam eine WhatsApp, dass aufgrund des vorhergesagten Wetters die späteste Rückfahrt ausfallen würde und mir wurden frühere Hin- und Rückfahrten angeboten. Das beruhigt ungemein.
Die Fahrt war echt angenehm, auch wenn ich mich erst wieder daran gewöhnen musste, auf dem Wasser zu sein – dem Atlantik noch dazu. Meine letzte Seefahrt ging letzten November von List auf Sylt über eine ruhige Nordsee. Aufgrund des Wetters der letzten Tage war ich ziemlich unruhig, aber wir landeten sicher auf Lobos, wo ich mit den anderen Passagieren über eine ungesicherte und ziemlich ausgetretene Treppe an Land ging. Wieder eine Herausforderung gemeistert!

Bei meinem letzten Besuch auf Lobos hatte ich die Insel schon umrundet; diesmal wollte ich unbedingt zu der schönen Bucht, die mir erst aufgefallen war, als ich kurz vor Ende des Rundwegs schon fast wieder am Hafen gewesen war. Da war leider keine Zeit mehr gewesen, die Bucht noch zu besuchen. Diesmal aber machte ich nur einen kleinen Spaziergang ins „Dorf“ und wollte von dort aus schnurstracks zur Bucht. Nun ja. Ich wurde abgelenkt und verbrachte zwei Stunden im flachen Wasser der Bucht neben dem Puertito. Flaches Wasser, weißer Sand, kleine Fische, es war wunderbar warm.
Kurzer Ausflug raus aus meiner Comfort Zone: Zwei junge Frauen sahen mich mit meiner Kamera und fragten, ob sie denn von mir Fotos machen sollen. Und so gab ich (im Wasser) meine Kamera aus der Hand und warf mich (im Bikini) in Pose und ließ mich von beiden umrunden. Die Fotos anzusehen, fiel später schwer, aber ich kann sehen, dass mich der Tag glücklich gemacht hat und die beiden mir ein gutes Gefühl mit mir selbst vermittelt haben.

Ich watete eine Weile durch das klare, stetig ansteigende Wasser, ließ mich treiben, erkundete die Seitenarme der Bucht und ihre Verbindungen zu weiteren Wasserflächen, fotografierte hier und dort und legte mich mit einem Buch in den Sand. So hätte ich leicht den Rest des Tages verbringen können. Aber ich wollte nicht schon wieder Lobos ohne Besuch der Badebucht hinter mir lassen, und schon am Nachmittag ging ja das Taxi zurück nach Fuerteventura.

Deshalb packte ich mein Handtuch ein, hängte mir die Kamera wieder um und brach schweren Herzens auf, zurück durch die kleine Ansammlung von Häusern, und ging zwischen rot-braun-schwarzem Gestein den geschlängelten Weg Richtung Hafen und dann zur Playa de la Concha, wo mich ein halbmondförmiger geschützter Strand erwartete, von dem aus ich gerade noch eine kleine Runde schwimmen und auch hier das wunderbare Wasser, die Aussicht auf Fuerteventura, Segelboote und Katamarane im Hafen und die herannahenden Wolken fotografieren konnte, bevor ich auch diesen einzigartigen Strand verlassen und in Richtung Hafen aufbrechen musste.


Als das Wassertaxi sich dem Kai näherte, erkannte ich, dass hier eine weitere Herausforderung auf mich wartete, erkannte ich ja jetzt, dass es diesmal keine Gangway geben würde, über die ich aufs Boot käme. Zusätzlich war der Landeplatz an der Treppe schon durch ein anderes Boot besetzt und das Taxi musste am Kopf der Mauer festmachen. Ohne Geländer oder ähnliches musste ich die leicht abschüssige Mauer hinunter und einen großen Schritt aufs Boot machen. Auch über so etwas denken die allermeisten Menschen vermutlich nie nach, stellt für manche von uns aber ein fast unüberwindbares Hindernis dar. Jedoch: Ich schaffte auch das. Ging ja auch nicht anders. Und so taff die Jungs, die das Boot steuerten, auch aussahen, sie reichten doch bei Bedarf eine starke helfende Hand.


Auf der Rückfahrt nach Fuerteventura wurde schon klar, dass sich das Wetter wieder zum schlechteren ändern würde. Die Wolken wurden dichter und dunkler, der Regen kam aber noch nicht an diesem Abend; noch hatte ich Zeit für ein indisches Abendessen am Hafen.
Nach fünf Tagen hatte ich dann aber doch vom kalten, regnerischen Norden die Nase voll und zog weiter in den Süden. Rucksack packen, nach einer Busverbindung fragen, nach Kleingeld kramen, das Beste hoffen. Einmal quer über die Insel. Ankommen im Süden bei herrlichstem Sonnenschein.
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