Nächste Haltestelle: Fuerteventura

Ich möchte an dieser Stelle etwas betonen: Meinen Blog schreibe ich selbst, ohne Hilfe von GenKI. Meine Fotos bearbeite ich „manuell“ mit Lightroom. Das ist mir wichtig zu erwähnen. Und nun weiter mit Fuerteventura.

Ach Moment … wo wir schon bei Grundsätzlichem sind … Ich meide (inzwischen leider) folgendes auf meinen Reisen: Nachtzüge und Hostels. Warum? Ich habe beides ausprobiert. Die Matratzen in Nachtzügen bieten mir als Plussize-Frau bei weitem nicht die Polsterung, die ich brauchen würde, um ausreichend Schlaf zu kriegen. (Beim Camping habe ich in der Regel zwei Isomatten unter mir, und das geht gerade so.) Und ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, mit fremden Menschen in einem Zimmer zu schlafen. Ich schlafe ja kaum mit meiner Mutter oder Schwester neben mir. In Hostels neue Freunde finden? Social Anxiety says No.

Jetzt aber wirklich: weiter mit Fuerteventura. Zunächst: der Norden.

Nachdem ich ein wenig recherchiert hatte, war ich zu dem Schluss gekommen, dass ein Flug von Teneriffa nach Fuerteventura die schnellste Verbindung für mich wäre. Die Alternative wäre die Fähre gewesen, mit der ich aber einen ganzen Tag verloren hätte, weil die nicht durchfährt sondern in Gran Canaria anhält. Im Nachhinein hätte ich vermutlich bei dem Wetter kaum Spaß an einer Schiffsreise gehabt. Und so packte ich wieder meinen Rucksack und bestellte mir ein Taxi (es war der 6. Januar: Tres Reyes, also ein Feiertag, also morgens kein Bus zum Flughafen; das hatte ich ja prima geplant …). Mir war vor dem Flug etwas mulmig zumute. Ich hatte gehört, dass die spanischen Airlines nicht so gut auf Touristen reagieren. Die waren dann aber super, das Bodenpersonal genauso wie die Flugbegleiter*innen. Das Flugzeug war ein eher kleines. Mit Propellern. Aber auch das war kein Problem mehr, nachdem wir erstmal in der Luft waren und ich abwechselnd die Aussicht und mein Buch genoss.

an dem Tag hätte ich nicht auf die Fähre gewollt

Busfahren auf Fuerteventura, musste ich feststellen, dauert lange. Die Abfahrtzeiten sind eher Vorschläge. Fahrplan-Aushänge gibt es praktisch keine. Gezahlt wird bar, und zwar passend. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal irgendwo eine Busfahrt bar bezahlt habe. Nicht auf Malta oder Mallorca. Nicht auf Sylt. Ganz sicher nicht in Schweden. Da stand ich nun mit meinem 100 Euro-Schein. Der Busfahrer nahm mich netterweise trotzdem mit. Zur Gepäck-Verräumung im dafür vorgesehenen Raum unterm Bus war keine Zeit, der Rucksack wurde also im schmalen Gang geparkt und ich hielt ihn dort vom Umfallen ab. Unangenehm.

Beim Betreten meines Hotelzimmers in Corralejo machte sich sofort ein Gefühl von Unwohlsein in mir breit. Ich konnte das zunächst an gar nichts bestimmtem festmachen. Bei näherer Betrachtung dann: Haare auf dem Bettüberzug. Später: Scherben und Glassplitter auf dem Boden. Ich weinte mich kurz bei meiner Schwester aus und schlief die erste Nacht mit langer Hose, langem Oberteil und Socken. Plus warmer Decke aus dem Schrank, die ich genau inspizierte und auf dem Balkon gründlich ausschüttelte, bevor ich sie verwendete. Diese beiden – die Decke und der Balkon – haben mich mit dem Hotel ein wenig versöhnt. Vom Balkon aus hatte ich direkten Blick aufs Meer und auf den Sonnenaufgang. Zum Trocknen von Wäsche war er nicht geeignet, weil sämtliche Teile – auch schwere – vom Winde verweht wurden.

Vieles erkannte ich in Corralejo von meinem letzten Aufenthalt wieder. Es vermittelt mir ein gutes Gefühl, in einem Urlaubsort Straßenecken und Cafés wiederzuerkennen. Ich erinnerte mich an meine erste Reise dorthin, als ich feststellen musste, dass meine EC-Karte nicht funktioniert und ich an einem heißen Tag von Pontius zu Pilatus eilte, mit meiner Schwester und der Bank telefonierte, der Geldtransfer im Western Union-Büro abgelehnt wurde … Naja, am Ende wurde es noch gut.

In Corralejo fällt der Blick aufs Meer ständig auch auf zwei Inseln – nämlich Lobos und Lanzarote

Ich fotografierte viel in diesen paar Tagen im Norden: Wolken gab es reichlich; Ebbe und Flut und wie sie das Aussehen einer Bucht völlig verändern können; anders als zuvor: eine Pflanzenwelt; Wellen; Boote und Schiffe, Segel; Strandgut; Wellen; Möwen; habe ich schon die Wellen erwähnt?

Dann kam der Tag. Der Tag, an dem endlich die Sonne schien. Der Tag, als ich mich zum Strand aufmachte und ich mich zum ersten Mal seit meiner Verletzung traute, mich auf den Boden niederzulassen. Erst als ich dort saß, fiel mir ein, dass ich ja auch irgendwann wieder würde aufstehen müssen. Nun. Da ich dem Sog des Meeres nicht widerstehen kann, kam dieser Augenblick schon sehr bald. Wenn ich ins Wasser wollte, musste ich wieder hoch. Und ich stellte fest: es funktionierte. Sah sicher dämlich aus, aber es funktionierte. Und dann konnte ich endlich im geliebten Meer stehen. Nachdem ich es auf Teneriffa tagelang nur hatte aus sicherer Entfernung betrachten dürfen, war das der Himmel für mich.

Endlich! Das Meer spüren!

Noch etwas, das auf dieser Reise oft wirklich spektakulär war: die Sonnenauf- und untergänge . Diese Momente sind jedesmal einfach magisch. Immer wieder denke ich bei der Zimmerbuchung „Muss ich wirklich wieder hundert Euro mehr bezahlen, um näher am Wasser zu sein?“ Und die Antwort ist immer wieder „Ja!“. Und diesmal noch mehr, denn ich stand meist um halb sechs auf, trank gemütlich meinen ersten Kaffee, während ich schon am Laptop saß, und konnte, wenn es soweit war, für ein paar Minuten die Arbeit Arbeit sein lassen und nur schnell die Treppe runter und hatte in wenigen Schritten dieses Wunder vor mir. Jeden Morgen anders. Jeden Morgen neu.

Jedes Mal hielt ich die Luft an, wechselte von der Kamera zum Handy und zurück, und war immer aufs Neue sprachlos.

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